In der GOST belegen die Schülerinnen und Schüler einen zweijährigen Seminarkurs, in dem überfachliche Kompetenzen gefördert und gefordert werden sollen. Exemplarisch wird an ausgewählten Fachinhalten wissenschaftspropädeutische Bildung vermittelt bzw. Berufswahl‐ und Berufsweltkompetenz entwickelt.

Der Link zur Publikation des LISUM "Handreichung „Hinweise zum Unterricht. Der Seminarkurs in der gymnasialen Oberstufe“ https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/themen/berufs-_und_studienorientierung/seminarkurs/Seminarkurs_ergaenzte_Fassung_Januar_2015.pdf

Seminarkurs 1: Erinnerungsorte (Dr. Rathmann)

Worum geht es im Seminar? Um die Auseinandersetzung mit Konzepten kollektiver, identitätsstiftender Erinnerung!

Erinnerungsorte sind nicht allein Orte, die man aufsuchen kann, das Brandenburger Tor etwa oder den Kölner Dom, das Warschauer Ghetto oder den Kyffhäuser oder die Wartburg. Erinnerungsorte sind „langlebige, Generationen überdauernde Kristallisationspunkte kollektiver Erinnerung und Identität“, so haben es zwei prominente Historiker, Etienne Francois und Hagen Schulze, im Vorwort zu dem opulenten, dreibändigen Werk, „Erinnerungsorte“ formuliert, in dem sie und andere Historiker, Soziologen oder Literaturwissenschaftler deutsche Erinnerungsorte vorstellen. Darin werden so unterschiedliche Begriffe, Namen und Orte präsentiert wie die Berliner Mauer, der deutsche Wald, die Pickelhaube, die Luftbrücke, Johann Wolfgang Goethe, die Bundesliga oder der Deutsche Herbst. Francois und Schulze lehnen sich damit an ein Konzept an, das Jahre vorher der französische Historiker Pierre Nora entwickelt hat, die sog. lieux de mémoire.

All diesen Begriffen und Orten, Namen und Institutionen gemeinsam ist, dass sie für das kollektive Gedächtnis der Deutschen eine Bedeutung haben. Denn es gibt, so lautet der Tenor der Geschichtswissenschaft, nicht allein die individuelle Erinnerung, sondern auch eine kollektive Erinnerung etwa von den Bewohnern einer Stadt, einer Wohngemeinschaft, eines Gesangvereins oder eben einer Nation.

Erinnerungsorte sind längst nicht mehr nur Gegenstände wissenschaftlicher Beschäftigung. In Zeiten, in denen nationalistische Töne wieder vernehmlicher werden und in denen über Identitäten vermehrt nachgedacht wird, weil Nationalstaaten in supranationalen Organisationen unterzugehen oder gar sich aufzulösen drohen, spielt die Erinnerungspolitik eine immer größere Rolle. Worauf beruft sich ein Gemeinwesen? Was sind Gewissheiten? Was hilft bei der Identitätsstiftung, oder anders gefragt: Was stört?

Erinnerungsorte spielen in derlei Auseinandersetzungen ein wichtige Rolle. Deshalb ist es notwendig, sich damit auseinanderzusetzen.

 

Seminarkurs 2: Märchen (Fr. Schumann)

„Es war einmal […]“, […] und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!“- Hört man diese formelhaften Wendungen, so werden sofort Kindheitserinnerungen an Figuren, wie die schöne Prinzessin, den mutigen Prinzen, die böse Stiefmutter oder die Hexe, geweckt. Sie alle gehören zum Personenrepertoire der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Neben den Brüdern Grimm gibt es weitere bekannte Märchenautoren, wie z.B. Charles Perrault, Wilhelm Hauff oder Hans Christian Andersen. Der Seminarkurs hat diese Autoren und deren ausgewählte Werke näher untersucht. Viele Märchenleser stellen sich zudem oft die Fragen, warum der Held drei Abenteuer bestehen muss, warum die Zahlen 3 oder 7 im Märchen vorkommen oder warum der Held immer dann ein magisches Werkzeug erhält, wenn er es gerade am nötigsten braucht? Der Grund dafür liegt in den strukturgebenden Merkmalen (Allverbundenheit, Isolation oder Flächenhaftigkeit usw.). Im Rahmen der Seminarkursarbeit sind diese erarbeitet und an den Grimm´schen Märchen nachgewiesen worden. Angeregt durch diese Ideen ist im Seminarkurs ein eigenes Märchen entstanden: „Die stumme Magd“. Das Märchen wird zurzeit von den Seminarkursteilnehmern verfilmt.
Da der Seminarkurs als wissenschaftspropädeutischer Kurs konzipiert ist, erfolgt parallel zur inhaltli-chen Auseinandersetzung das Erlernen wissenschaftlichen Arbeitens: Literaturrecherche, Erstellen von Bibliographien, korrektes Zitieren, usw. Ziele des Seminarkurses sind daher das Verfassen einer wissenschaftlichen Seminararbeit zu einer selbstgewählten Fragestellung rund um das Thema Märchen sowie eine Präsentation der Arbeit im Kurs.

 

Seminarkurs 3: Historische Validität und Authentizität historischer Spielfilme (Fr. Kienitz)

Ob Hollywood oder Babelsberg - Filmproduktionsstätten beschäftigen sich immer wieder mit unserer Geschichte. Ob Schindlers Liste, the King's Speech oder Gundermann - Filme, die uns entertainen, aber auch bilden wollen.
Aber stimmt denn all das, was die Filme uns zeigen und erzählen?

Der Seminarkurs "Historische Validität und Authentizität historischer Spielfilme" beschäftigt sich mit der Frage, ob wir Zuschauer uns auf die Darstellung von Geschichte in diversen historischen Spielfilmen verlassen können, ob wir gar etwas über Geschichte aus diesen Filmen lernen.

Nach der Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen des Mediums "Film", einigen exemplarischen Analysen historischer Filme und der Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, suchten sich die Schülerinnnen und Schüler einen Film aus, den sie analysieren und auf dessen geschichtliche Authentizität hin überprüfen wollen.

 

Seminarkurs 4: Upcycling Design (Fr. Eisner / Fr. Linde)

Vor dem Hintergrund aktueller umwelt- und klimapolitischer Diskussionen zum Thema „Müll“ setzt sich der Seminarkurs „Upcycling Design“ mit Möglichkeiten auseinander, regional und lokal nachhaltiges Wirtschaften zu unterstützen. Der Seminarkurs beschäftigt sich daher einerseits mit Studiengängen und Berufsfeldern, die im weitesten Sinne dem Bereich Design zugeordnet werden können und beinhaltet andererseits eine Projektarbeit, in der die Schülerinnen und Schüler ein eigenes Produkt / eine Produktreihe im Sinne des Nachhaltigen Wirtschaftens entwickeln sollen. Im Vordergrund des Seminarkurs „Upcycling Design“ stehen Berufswahl- und Berufsweltkompetenz. 

 

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