Die Lernzeit stärkt eine Lernkultur, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler eingeht. Ziel ist es, grundlegende Kompetenzen sicher aufzubauen und zugleich Raum für vertiefendes und eigenständiges Lernen für Schülerinnen und Schüler zu schaffen, die immer sehr schnell und leicht alle Aufgaben bewältigen. Sie werden durch komplexere, freiere Aufgaben angeregt eigene Projekte zu verwirklichen. Die Lernzeit verbindet diagnostische Verfahren, individuelles Üben und projektorientiertes Arbeiten.
Warum wir Lernzeit einführen
Schule steht heute vor neuen Herausforderungen: Lernvoraussetzungen, Lerntempo und Interessen der Schülerinnen und Schüler sind zunehmend unterschiedlich. Ein Unterricht, der alle gleichermaßen fördert, braucht deshalb zusätzliche Formate für individualisiertes Lernen.
Die Lernzeit schafft hierfür einen festen Rahmen. Sie ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern,
- im eigenen Tempo zu lernen,
- gezielt an persönlichen Lernbedarfen zu arbeiten,
- Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen und
- erworbenes Wissen später in Projekten anzuwenden und zu vertiefen.
Gleichzeitig erhalten Lehrkräfte durch Diagnostik und Rückmeldungen einen besseren Überblick über Lernstände und Lernfortschritte.
1. Organisation der Lernzeit
Die Lernzeit ist fest im Stundenplan verankert. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wird jeweils eine Unterrichtsstunde pro Woche als Lernzeit genutzt. In dieser Stunde arbeiten die Schülerinnen und Schüler selbstständig an ihren individuellen Lernzielen.
Zu Beginn jeder Stunde planen sie ihre Arbeit selbst:
- In welchem Fach möchte ich heute arbeiten?
- Welche Aufgabe oder welches Lernheft bearbeite ich?
- Arbeite ich allein oder mit anderen zusammen?
2. Wie die Lernzeit abläuft
Die Lernzeit folgt einer klaren Struktur, die sich über mehrere Phasen erstreckt.
a) Diagnostik: Zu Beginn werden in Deutsch, Mathematik und Englisch diagnostische Tests durchgeführt. Diese zeigen, welche Inhalte bereits sicher beherrscht werden und wo noch Übungsbedarf besteht.
b) Individuell üben: Auf Grundlage dieser Diagnose erhalten die Schülerinnen und Schüler individuelle Lernhefte oder digitale Übungsformate. Sie arbeiten selbstständig oder in kleinen Gruppen an genau den Themen, die für sie besonders wichtig sind.
c). Lernfortschritte überprüfen: Nach der Bearbeitung einzelner Lernbereiche werden ausgewählte Inhalte erneut überprüft. So werden Fortschritte sichtbar und nächste Lernschritte können geplant werden.
d). Projektarbeit: Sind die Aufgaben abgeschlossen, können Schülerinnen und Schüler eigene Projekte beginnen, zum Beispiel kreative Aufgaben in Deutsch, mathematische Anwendungen oder Präsentationen in Englisch.
3. Pilotprojekt und Evaluation
Die Lernzeit startet zunächst als Pilotprojekt in der Jahrgangsstufe 8. Während des Schuljahres werden Erfahrungen systematisch gesammelt und ausgewertet. Dazu gehören Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrkräften.
Auf dieser Grundlage wird geprüft,
- wie sich die Lernzeit auf Motivation und Lernerfolg auswirkt,
- welche organisatorischen Anpassungen sinnvoll sind und
- ob und in welcher Form eine Ausweitung auf weitere Jahrgangsstufen erfolgen kann.
Neben Zeiten des individuellen Lernens legen wir großen Wert auf persönliche Rückmeldungen, Feedback und Beratung; wie Schülerinnen und Schüler dabei gezielt begleitet und gefördert werden, ist ausführlich im Konzept der Lernberatung dargestellt.